Der Widerrufsrechner als Instrument des Rechtsanwalts – eine Bedienungsanleitung

Kommt der Anwalt bei der Prüfung eines Baudarlehen-Vertrages zum Ergebnis, dass die Widerrufsbelehrung fehlerhaft ist, kann er die Rückabwicklung des Vertrages anstreben und für seinen Mandanten viel Geld erstreiten. Doch welche Summe kann er fordern? Mit Hilfe des Widerrufsrechners von advoconto liegt ihm schnell und zuverlässig eine gutachterliche Berechnung vor.

Die Online-Version des Widerrufsrechners steht dem Anwalt unmittelbar zur Verfügung. Von seinem Mandanten benötigt er lediglich den Darlehensvertrag sowie die Jahreskontoauszüge. Damit können der tatsächliche Darlehensbeginn, die regelmäßigen Darlehensraten sowie die Sondertilgungen erfasst werden, die über diese Raten hinausgehen. Und er benötigt außerdem noch zehn bis 15 Minuten Zeit für die Dateneingabe in die Datenmaske. Diese ist im Sinne einer einfachen Handhabung optimiert.

Die Berechnung erfolgt unmittelbar. Dem Anwalt steht das Ergebnis also sofort zur Verfügung. Der Grund für die Schnelligkeit liegt in der Programmierung des Rechners. Etienne Fiege von advoconto erklärt dazu: „Es handelt sich um eine eigene Programmentwicklung und eben nicht um eine, wie sonst so oft anzutreffende, Excel-Anwendung. Damit hat der Widerrufsrechner ein Alleinstellungsmerkmal.“

Die norddeutschen Kontenprüfer und Kreditsachverständigen bieten den Rechner außerdem in einer Backoffice-Version an. „Diese Version unterscheidet sich von der Online-Version nur in der Eingabemaske. Die Rechenleistung ist identisch“, wie Fiege hervorhebt. Die für eine bessere Bedienbarkeit vereinfachte Eingabemaske der Online-Version reiche für 70 bis 80 Prozent aller Fälle aus. In der Backoffice-Version könnten dann auch die Vertragsvarianten oder Vertragsverläufe abgedeckt werden, die untypische oder besonders komplizierte Eingaben erforderten. So sei auch die Zusammenfassung mehrerer verschiedener Verträge einer Baufinanzierung zu einer gutachterlichen Berechnung möglich.

Um die Backoffice-Version zu nutzen, stellt der Rechtsanwalt die Immobilien-Kreditverträge und die Jahreskontoauszüge den Kontenprüfern von advoconto online zur Verfügung. Die Dateneingabe erfolgt dann als Dienstleistung. Insbesondere bei großen Fallvolumina bietet sich dieses Verfahren an. Nach bereits drei bis fünf Tagen wird das Ergebnis dem Anwalt online übermittelt. Im Gegensatz zur Online-Version wird diese Dienstleistung nach extra erstellter Rechnung bezahlt.

Da in der Praxis zwischen der Klageerhebung und dem Gerichtstermin leicht ein halbes Jahr liegen kann, in der Zeit aber weiter Raten aus dem Vertrag gezahlt werden, sind die Zahlen zum Gerichtstermin anpassungsbedürftig. Hier besteht die Möglichkeit einer kurzfristigen Aktualisierung. Hierfür würde, so Fiege, nur ein kleines Extra-Entgelt berechnet werden. Fiege ergänzt: „Egal ob Online- oder Backoffice-Version, in beiden Fällen wird bei der Zinsberechnung finanzmathematisch auch überprüft, ob die von den Banken erhobenen Zinssätze verlangt werden konnten und eine eventuelle Differenz ausgewiesen.“

Ohne Anwalt wird es nicht gehen

Selbst bei offensichtlich fehlerhafter Widerrufsbelehrung hat der private Bauherr oder Wohnungskäufer bei Rückabwicklung seines Baudarlehens ohne Anwalt nur mäßige Erfolgsaussichten. Er bleibt immer vom guten Willen seines Kreditinstituts abhängig. Mit anwaltlicher Vertretung sieht das schon anders aus. Doch den Anwälten dürfte von den Kreditgebern jetzt ein schärferer Wind ins Gesicht wehen. Ein Plan, der allerdings nicht aufgehen muss.

Konnte sich die Kreditwirtschaft bisher darauf verlassen, dass die genaue Zinsberechnung bei einer Rückabwicklung ausgesprochen langwierig ist, steht Rechtsanwälten nun ein neues Instrument zur Verfügung. Mit dem Widerrufsrechner können die Ansprüche finanzmathematisch in sehr kurzer Zeit genau berechnet werden. Die einzige Voraussetzung ist, der Anwalt verfügt über die Kreditvertragsdaten und die Jahreskontoauszüge zum entsprechenden Darlehen. Dann kann er dem zu erwartenden Spiel auf Zeit der Gegenseite entgegentreten. Die Uhr tickt nämlich, da die Wohnimmobilien-Richtlinie der EU spätestens im März 2016 in deutsches Recht umgesetzt werden müsste.

Dank der schnellen Berechnung der Rückabwicklung kann der Anwalt von Anfang an mit exakten Zahlen auftreten. Erreicht nämlich der Rechtsanwalt die Rückabwicklung des Baudarlehens, entfiele nicht nur eine mögliche Vorfälligkeitsentschädigung. Auch die bereits gezahlten Zins- und Tilgungsraten müssten von der Bank verzinst werden. Zudem muss geprüft werden, ob das Kreditinstitut tatsächlich den bisherigen Vertragszins verlangen darf oder ob nur ein „marktüblicher“ Zins angemessen ist. Für die Kreditinstitute geht es also um sehr viel Geld. Experten schätzen ein Milliardenrisiko.

Die Zeitbombe der fehlerhaften Widerrufsbelehrung tickt insbesondere in den zwischen November 2002 und Juni 2010 abgeschlossenen Immobilien-Kreditverträgen. Verbraucherschützer gehen davon aus, dass über die Hälfte dieser Verträge anwaltlich angegriffen werden können. Doch versteckt im Nachtrag zum Gesetz zur Umsetzung der Wohnraumrichtlinie der EU, soll die bisher unbefristete Angreifbarkeit bei fehlerhafter Widerrufsbelehrung durch eine Frist für Altverträge rückwirkend beseitigt werden.

Gesetzesänderung schiebt Anwälten den Schwarzen Peter zu

Mit einer Gesetzesänderung will der Gesetzgeber Banken vom Milliarden-schweren Risiko aus fehlerhaftenImmobiliendarlehen befreien. Vor allem die mit der Rückabwicklung von Altverträgen befassten Anwälte werden bis zur geplanten Rechtskraft des Gesetzes dabei auf eine Mission Impossible geschickt. Doch mit Unterstützung durch eine neue finanzmathematische IT-Lösung können selbst neue Mandanten in der verbleibenden Zeit noch effizientvertreten werden.

Bisher galt nach einer verbraucherfreundlichen Entscheidung des BGH: Ist die Widerrufsbelehrung in privaten Immobilienkredit-Verträgen fehlerhaft, gilt die 14-tägige Widerrufsfrist nicht. Für diese Fälle besteht seither eine unbefristete Rückabwicklungsoption. Mit der Gesetzesänderung soll dieser Widerrufs-Joker beseitigt werden. Das hört sich nur auf den ersten Blick an wie eine Formalität.

Ist die rechtliche Prüfung der Verträge anwaltliches Kerngeschäft, ist es die Zinsberechnung nicht. Sie gilt auch für Finanzfachleute als aufwändig und – vor allem – langwierig. Für den vertretenden Anwalt vermindern sich aber ohne präzise Zahlen die Erfolgschancen beim Vergleich wie bei einem angestrebten Urteil. Es besteht die Gefahr, dass er für seine Mandantschaft weniger durchsetzen kann, als eigentlich möglich wäre.

Durch die Gesetzesänderung verschärft sich das Problem noch einmal erheblich. Sie soll nämlich rückwirkend auch für Altverträge gelten. Der Widerrufs-Joker würde dann im Juni 2016 enden, und den beauftragten Rechtsanwälten liefe die Zeit davon angesichts einer langwierigen Zinsberechnung. Die Bankenlobby zielt im Wesentlichen auf die zwischen Ende 2002 und 2010 geschlossenen Baudarlehensverträge mit fehlerhafter Widerrufsbelehrung, die seit der BGH-Entscheidung für die Kreditwirtschaft so ärgerlich unbefristet angegriffen werden können. Betroffenen Instituten drohen bei gerichtlichen Niederlagen schließlich spürbare Verluste, da sie bei einem Sieg der Gegenseite ohne Vorfälligkeitsentschädigung rückabwickeln müssten.

Die von norddeutschen Kontenprüfern und Kreditsachverständigen entwickelte IT-Lösung verspricht einen Ausweg aus der neuen Zeitfalle. Dazu Bernhard Lauenstein, Geschäftsführer von Advoconto: „Als bisher einziger Anbieter können wir mit unserer neuen IT-Lösung eine sehr schnelle und zuverlässige Zinsberechnung zur Widerrufsrückabwicklung erstellen. Angesichts der durch die Gesetzesänderung zu erwartenden Menge an zusätzlichen Verfahren werden wir Anwälten auch die aufwändige Dateneingabe als Dienstleistung anbieten.“