Warum die Rückabwicklung von Autokrediten eine lukrative Chance für den Verbraucher ist

Wer sich ein neues Auto kauft, finanziert den Kauf nicht selten über einen Kredit. Häufig wird das Darlehen durch die Bank des Autoherstellers vergeben. Diese Darlehensverträge können widerrufen werden, wenn der Verbraucher nicht akkurat über sein Widerrufsrecht belehrt wurde.

In nahezu aller Kredit­verträgen fast aller Auto­banken wurden Fehler gefunden. Das Resultat: Verbraucher, die ihr Fahrzeug nach dem 10. Juni 2010 mit einem vom Händler vermittelten Kredit finanziert haben, dürfen den Kredit zeitlich unbe­schränkt widerrufen. Sie erhalten dann die Anzahlung und alle gezahlten Raten zurück. Im Gegen­zug müssen sie das Auto zurück­geben. Wer den Kredit­vertrag nach dem 12. Juni 2014 abge­schlossen hat, dem werden wohl nicht mal die gefahrenen Kilo­meter abge­zogen.

Der sogenannte Widerrufsjoker ist seit einigen Jahren bekannt. Dabei widerrufen Verbraucher ihre laufenden Darlehen unter Hinweis auf fehlerhafte Darlehensverträge. Das gleiche Prozedere greift auch bei Autokrediten – mit einem entscheidenden Unterschied.  Autokäufer können gleichzeitig den Erwerb des Fahrzeugs rückgängig machen.

Der Grund: In den meisten Fällen sind Kfz-Erwerb und Abschluss des Darlehens ein sogenanntes verbundenes Geschäft. Sie werden in der Regel zusammen abgeschlossen – meist beim Autohändler. Zudem kommt das Darlehen zumeist von einer Autobank, also einer Tochter des Autoherstellers.

Einige Fehler der Banken sind bereits aus dem Konflikt mit den Darlehenskrediten bekannt und gerichtlich geklärt, einige Patzer hingegen sind neu:

  1. Die fehlende Angabe des einzuhaltenden Verfahrens bei der Kündigung des Vertrags durch den Kreditnehmer (247 § 6 Abs. 1, Nr. 5 EGBGB a.F.)

    Banken sind grundsätzlich dazu verpflichtet, bei der Vergabe eines Verbraucherdarlehens den Kreditnehmer auf die ihm zustehenden Kündigungsrechte hinzuweisen. Hierbei entstanden zahlreiche Fehler seitens der Banken. Entweder wurde der Kunde überhaupt nicht auf sein Kündigungsrecht hingewiesen oder aber der Hinweis erfolgte nicht deutlich genug in den Geschäftsbedingungen.

  2. Fehlende Vertragsunterlagen (§ 356b BGB a.F.)
    Der Darlehensgeber muss dem Darlehensnehmer eine Vertragsurkunde, den schriftlichen Antrag des Darlehensnehmers oder eine Abschrift der Vertragsurkunde oder seines Antrags zur Verfügung gestellt haben. Kommt er dieser Pflicht nicht nach, beginnt die Widerrufsfrist nicht zu laufen. Um Klarheit über die eingegangenen Verpflichtungen zu haben, muss der Kreditnehmer nach der Konzeption des Gesetzgebers ein Dokument in den Händen halten, welches seine eigene Unterschrift enthält.

Bei Verträgen, die ab dem 13. Juni 2014 abge­schlossen wurden, müssen Kunden nicht einmal einen Ausgleich für den Wert­verlust oder eine Entschädigung für die mit dem Auto gefahrenen Kilo­meter zahlen. Nur die – zumeist geringen – Kreditzinsen bekämen sie nicht zurück. Hintergrund: Am 13. Juni 2014 traten verbraucherfreundliche Gesetzes­änderungen in Kraft. Der Kreditnehmer schuldet bei einer Rückabwicklung keine Entschädigung für die Nutzung des Kfz – anders als bei den jetzt vorliegenden Urteilen, bei denen die Kläger sich ausschließlich auf die Abgasmanipulationen gestützt hatten und nicht auf die Finanzierung. Gelingt also die Rückabwicklung durch den sogenannten Widerrufsjoker, dann hat der Verbraucher das Auto fast kostenlos gefahren. Bei einem Widerruf des Darlehens muss die Bank dem Kunden die Anzahlung sowie die komplette Kreditsumme erstatten.