Der Widerrufsrechner als anwaltliches Instrument zur schnellen Rückabwicklung von Baudarlehen

Ergibt die rechtliche Prüfung eines privaten Immobilien-Kreditvertrages, dass die Widerrufsbelehrung fehlerhaft ist, kann derzeit noch unbefristet die Rückabwicklung des Vertrages angestrebt werden. Doch welche Beträge kann der beauftragte Anwalt geltend machen? Mit Hilfe einer neuen IT-Lösung erhält er in kürzester Zeit eine gerichtstaugliche gutachterliche Berechnung.

Erreicht der Rechtsanwalt die Rückabwicklung des Baudarlehens, entfiele nicht nur eine mögliche Vorfälligkeitsentschädigung. Auch die bereits gezahlten Zins- und Tilgungsraten müssten von der Bank verzinst werden. Zudem muss geprüft werden, ob das Kreditinstitut tatsächlich den bisherigen Vertragszins verlangen darf oder ob nur ein „marktüblicher“ Zins angemessen ist. Die Antworten in Form einer exakten finanzmathematischen Berechnung liefert der Widerrufsrechner.

Konnte sich die Gegenseite bisher darauf verlassen, dass die genaue Zinsberechnung bei einer Rückabwicklung ausgesprochen langwierig ist, erfolgt die Berechnung mit der IT-Lösung von advoconto unmittelbar. Das erklärt Bernhard Lauenstein, Geschäftsführer von advoconto: „Es handelt sich um eine eigene Programmentwicklung und eben nicht um eine Excel-Anwendung, wie sie sonst so oft anzutreffen ist. Damit hat der Widerrufsrechner ein Alleinstellungsmerkmal.“

Die norddeutschen Kontenprüfer und Kreditsachverständigen von advoconto bieten den Rechner in einer Online- sowie einer Backoffice-Version an. „ Die Backoffice-Version unterscheidet sich von der Online-Version ausschließlich in der Eingabemaske. Die Rechenleistung ist identisch“, wie Lauenstein hervorhebt. Die vereinfachte Eingabemaske der Online-Version reiche für 70 bis 80 Prozent der Fälle aus. In der Backoffice-Version könnten dann auch die Vertragsvarianten oder Vertragsverläufe abgedeckt werden, die untypische oder besonders komplizierte Eingaben erforderten. So sei auch die Zusammenfassung mehrerer verschiedener Verträge einer Baufinanzierung zu einer gutachterlichen Berechnung möglich.

Für die Online-Version benötigt der Anwalt von seinen Mandanten lediglich den Darlehensvertrag sowie die Jahreskontoauszüge. Damit können der tatsächliche Darlehensbeginn, die regelmäßigen Darlehensraten sowie die Sondertilgungen erfasst werden, die über die Raten hinausgehen. Und er benötigt außerdem noch 10 bis 15 Minuten Zeit für die Dateneingabe in die Datenmaske, die ganz im Sinne einer einfachen Handhabung optimiert ist.

Um die Backoffice-Version zu nutzen, stellt der Rechtsanwalt die Immobilien-Kreditverträge und die Jahreskontoauszüge den Kontenprüfern von advoconto online zur Verfügung. Die Dateneingabe erfolgt dann als Dienstleistung. Insbesondere bei großen Fallvolumina bietet sich dieses Verfahren an. Nach bereits drei bis fünf Tagen wird das Ergebnis dem Anwalt online übermittelt. Im Gegensatz zur Online-Version wird diese Dienstleistung nach extra erstellter Rechnung bezahlt.

Da in der Praxis zwischen Klageerhebung und dem Gerichtstermin leicht ein halbes Jahr liegen kann, in der Zeit aber weiter Raten aus dem Vertrag gezahlt werden, sind die Zahlen zum Gerichtstermin anpassungsbedürftig. Hier besteht die Möglichkeit einer kurzfristigen Aktualisierung. Hierfür würde, so Lauenstein, nur ein kleines Extra-Entgelt berechnet werden.

Die Zeitbombe der fehlerhaften Widerrufsbelehrung tickt insbesondere in den zwischen November 2002 und Juni 2010 abgeschlossenen Immobilien-Kreditverträgen. Verbraucherschützer gehen davon aus, dass über die Hälfte dieser Verträge anwaltlich angegriffen werden können. Doch versteckt im Nachtrag zum Gesetz zur Umsetzung der Wohnraumrichtlinie der EU, soll die bisher unbefristete Angreifbarkeit bei fehlerhafter Widerrufsbelehrung durch eine Frist für Altverträge rückwirkend beseitigt werden. Und die Uhr läuft bereits, da die Wohnimmobilien-Richtlinie der EU spätestens im März in deutsches Recht umgesetzt sein müsste.